Dorfbräuche, Gipsabbau,Schmelzibrücke und andere Geschichten

Räbeliechtli-Umzug
Um den 11. November versammeln sich die Kindergartenkinder und die Unterstufenschülerinnen am Abend mit ihren selbst gemachten Lichtern und Laternen zum Räbeliechtliumzug durch das Dorf. Dazu singen sie passende Lieder.
Teilnehmende: Kindergartenkinder, SchülerInnen, Familien Kindergärtnerin und Lehrpersonen
Chesslete (Schmutziger Donnerstag)
Weiss gekleidete Gestalten versammeln sich um 5.00 Uhr mit Lärminstrumenten (Glocken, Trommeln, Rätschen usw.) beim Hölzlirank. Beim Marsch durch Wiler und Dorf werden die noch Schlafenden (hoffentlich!) aufgeweckt. Anschliessend gibt es zur Stärkung Mehlsuppe im Restaurant "Kreuz", spendiert von der Gemeinde.
Teilnehmende: Kinder, Erwachsene
Fasnachtsumzug (Schmutziger Donnerstag)
Die Kindergartenkinder und die Schülerinnen und Schüler ziehen klasser:1weise in ihren mit viel Fantasie hergestellten Kostümen der Guggenmusik nach. Das Fest geht anschliessend in der Mehrzweckhalle weiter, wo es u.a. Schnitzelbänke zu hören gibt.
Teilnehmende:Kindergartenkinder, Schülerinnen, Guggenmusik-Vereine, Dorfbewohnerlnnen
Damenturnverein
Fasnachtsfeuer
Am Samstagabend nach Aschermittwoch findet ein Fackelzug vom Gemeindehaus auf die Burgholle statt. Dort oben haben die "Jahrgänger" (die Neunzehnjährigen) einen riesigen Holzstoss für das Fasnachtsfeuer vorbereitet. Daneben ist Gelegenheit zum Scheibenschiessen, einem alten Brauch für ein fruchtbares Ackerbaujahr. Früher wurden dazu noch Sprüche gerufen.
Natürlich sorgen die "Jahrgänger" auch für Speis und Trank, und die Guggenmusik heizt die Stimmung an.
Sternsingen (nach dem Dreikönigstag)
Aus dem "Negerlisingen" bzw. "Kinder singen für Kinder" der Fasnachts-/Fastenzeit ist nun das "Sternsingen" entstanden. Mädchen und Knaben, verkleidet als Caspar, Melchior und Balthasar, ziehen von Haus zu Haus, singen und schmücken die Häuser mit dem SegenssymboI2QC+M+SO6. Das gesammelte Geld kommt bedürftigen Kindern und Jugendlichen in andern Teilen der Welt zugut.
Teilnehmende: Kinder der 2. - 6. Klasse Frauen- und Mütterverein
Willima
Am vierten Sonntag der Fastenzeit tragen die Buben den Willima, eine lebensgrosse angekleidete Strohfigur mit Maske, von Haus zu Haus. Ursprünglich diente dieser Brauch zur Winter- und Todaustreibung, doch heute steht das "Heischen" im Vordergrund. Die Buben bitten mit ihrem Mittfastenlied um Schnitze, Brot, Butter, Eier und so weiter.
Am Schluss werden der Willima verbrannt und die erhaltenen Schätze aufgeteilt.
Teilnehmer:Buben der 2. - 6. Klasse und ältere Verschönerungsgruppe
Maisingen
Das Maisingen ist ein alter Heischebrauch, der einst bis ins Elsass weit verbreitet war. Es findet am ersten Maisonntag statt. Weiss gekleidete Mädchen ziehen mit ihrer Maikönigin und einem geschmückten Tännchen von Haus zu Haus und singen ihr Maizuglied, worin sie Mehl, Butter, Eier und Geld heischen. Die Maikönigin dreht sich dazu unter einem Bogen aus belaubten und geschmückten Ästen.
Teilnehmerinnen: Mädchen der 2. - 6. Klasse V erschönerungsgruppe
Maibaum
Anfangs Mai stellen die "Jahrgänger" den Maibaum - eine hohe Tanne mit den Namen der Mädchen ihres Jahrgangs - neben dem Dorfbrunnen auf.
Gipsabbau
Mit Gemeindebeschluss vom 1. Juli 1894 wurde der damaligen Hydraulischen Kalk- und Gipsfabrik auf Schmelzi zugestanden: „Das Recht, eine Roll-bahn erstellen, benützen und unterhalten zu dürfen. Mit dem Anlegen des Trassees und dem Bau der Roten Brücke wurde umgehend begonnen und noch im Jahre 1894 konnten Bruchsteine, Kies und vor allem Gips mit der Rollbahn vom Dorf auf die Schmelzi geführt werden. Die Erstellungskosten dieser Grubenbahn der Pionierzeit betrugen Fr. 40'000. Die Rollbahn führte vorerst von der Schmelzi bis zum Stolleneingang beim Pfarrhaus (Dorf). Als sich der Gipsabbau im Jahre 1910 im Bergwerk Gupf erschöpfte, wurde das Trassee vom Betreiber Markus Ackermann, Fehren, um den Gupf herum bis zum neuen Abbaugebiet Kirchacker erweitert. Die Gesamtlänge der Rollbahn betrug 2570 Meter. Das Trassee war so angelegt, dass die sechs aneinandergehängten Rollwagen begleitet von drei Zugführern von selbst das enge Tal hinunterrollten. Die Zugführer standen auf schmalen Plattformen, rauchten der-einst gemütlich ihre Pfeife und zogen in den gefährlichen Kurven die Bremsen. Mit vorgespannten Pferden erreichten die leeren Wagen dann wieder die Höhe des Gupfs und wurden von den Pferden bis in das Berginnere gezogen. Zwei mal im Tag wurden die mit Gipssteinen beladenden Wägeli auf die Reise geschickt. Die Zugskomposition hatte jeweils ein Gesamtgewicht von über 10 Tonnen und verlangte von den Mitfahrenden einiges an Geschick.
Gebremst wurden die Bahn mit grossen Handkurbeln. Entgleisungen und umstürzende Wagen waren durchaus üblich. Bei schlechtem und nassem Wetter konnte das Bähnli nur schlecht gebremst werden. Man legte an den Wägeli befestigte Jutte- und alte Zementsäcke auf die Geleise, um damit die Bremswirkung zu erhöhen. Nicht selten baten die auf der Schmelzi wohnenden Schulkinder um Mitfahrgelegenheit. Mit kurzen Unterbrüchen blieb das Gipsbähnli während fast 60 Jahren im Betrieb. Ab 1952 wurde der im Bergbau gewonne Gips in Silos beim Stollenausgang zwischengelagert und mit Lastwagen nach Liesberg geführt. 1956 wurde der Gipsabbau sodann ganz eingestellt. Ein schweres Unwetter hatte den Stolleneingang verschlammt und an einen weiteren Gipsabbau war aus Wirtschaftlichkeits- und Sicherheitsgründen nicht mehr zu denken. Der nicht mehr benötigte Schienenstrang wurde in der Folge von der Einwohnerschaft herausgerissen und fand meist als Zaunpfosten bei Weid- und Gartenzäunen Verwendung. Die Schienen sind noch heute bei gewissen Zäunen im Dorf anzutreffen. Die Rote Brücke hat ihren Namen von der Farbe des Geländers und der Metallkonstruktionen. Diese wurden mit einer hellrot leuchtenden Rost-schutzfarbe bemalt.
Gibsabbau in Bärschwil hat eine lange Tradition.
Davon Zeugnis geben die nur wenige hundert Meter oberhalb der roten Brücke am Stritternbach befindlichen und noch heute erhaltenen Kalkbrenn-stätten. Bis um 1880 wurde der oberirdisch vorab am Gupf aber auch in anderen Gebieten abgebaute Gibs mit schweren Holzwagen vom Dorf zur Mühle transportiert. Bis 15 Pferde waren für das Ziehen der schweren Wagen im Dorf eingestellt. Die Zufahrtswege und die beim Gipsabbau enstandenen Löcher und Schutthaufen sind noch heute gut zu entdecken. In der Mühle wurde der poröse Gipsstein in einer Gipsstampfi gemahlen. In den ebenfalls dort befindlichen Brennöfen wurde dem Gestein sodann das Wasser entzogen und konnte dann in seiner pulverisierten Form als Kalk und Gips verwendet werden. Mit der eigentlichen industriellen Produktion von Gips wurde nach dem Bau der Eisenbahnlinie Jura Simplon im Jahre 1875 mit der Gründung der Hydraulischen Kalk- und Gipsfabrik auf der Schmelzi begonnen. Da sich der oberirdische Abbau am Gupf aber erschöpfte, entschloss man sich in den Berg zu gehen. Schon bald kam den Betreibern die Idee, die in den Berg führende Stollenbahn direkt bis auf die Station zu führen. Ein mühsames Umladen des Gesteins auf Pferdewagen und das gefährliche Hinunterfahren auf die Station mittels Pferdefuhrwerken entfielen so. Zudem konnte der Gips von einer hölzernen Brücke über die Bahnlinie mittels Rutschen von den Wägeli direkt in die Bahnwagen verladen werden. Der Gips wurde nach Basel und auch ins nahe Frankreich (bis nach Belfort) verkauft. Vom Bergwerk Kirchacker, welches bis ins Jahr 1956 betrieben wurde, sind die Stollenpläne noch vorhanden. Drei Hauptstollen führten bis zu 400 Meter in den Berg und hatten zum Teil eine beachtlich Breite von bis zu 20 Metern. Man hätte die Bärschwiler Kirche in die Hallen stellen können. Beim Bergwerk Gupf soll der Hauptgang vom Stolleneingang beim Pfarrhaus bis zum Chäppeli geführt haben.
Schmelzibrücke1760-1875
Der genaue Zeitpunkt in dem sich die Bärschwiler entschlossen die Birs auf der Schmelzi trockenen Fusses zu überqueren und einen ersten Holzsteg konstruierten liegt im Dunkeln. Der Bau des Restaurant Bad wird auf das Jahr 1760 datiert. Spätestens zu dieser Zeit dürfte wohl ein erster hölzerner Steg über die Birs gebaut worden sein. Dieser war nur zu Fuss begehbar. Mit Ross und Wagen musste noch bis ins Jahr 1874/75 durch das Birsbett, durch eine Furt gefahren werden. Siehe in der Dorfchronik der Gemeinde Bärschwil: Deckblatt/Innenseite - Stich von Peter Birmann (1758-1844).
Eine Bleistiftzeichnung im Skizzenbuch von Anton Winterlin (1805-1894) zeigt ebenfalls das Restaurant Bad mit einer dem Gasthaus vorgelagerten beinahe höfisch anmutenden Parkanlage und einen schmalen über die Birs führenden Holzsteg. Am linken Birsufer sind zudem grosse Mengen Brennholz gelagert, welches offensichtlich auf der Birs bis zur Glashütte, bis zur Schmelzi geflösst wurde. Zur Herstellung von 100 Kilogramm Glas wurden rund 130 Ster Holz benötigt.
Das Birsbrücklein wird erstmals schriftlich im Jahre 1797 in einem Bericht des Landvogtes von Thierstein erwähnt: Am 3. Mai 1797 wurde der heimatlose Josef Neuschwander von den Franzosen im Birstal aufgegriffen und sollte mit seinem Kameraden Urs Viktor Marquis ins Gefängnis nach Delsberg gebracht werden Auf der Schmelzi sprangen die zwei Gefangenen vom Wagen und rannten über das Birsbrücklein.
Und in einem Bericht des Reiseschriftsteller Hentzy bedauert dieser im Jahre 1809, dass die Wälder unserer Region zustark durch die Eisen-schmelzereien und Glashütten ausge-beutet werden. Von Laufen herkom-mend hielt er erst wieder auf der Glashütte an und vermerkt, dass sich gegenüber der Glashütte eine Brücke über die Birs befindet, die nach ‘Baresweil im Kanton Solothurn’ führt.
In den Jahren 1792 und 1793 waren übrigends unsere Nachbarn ‘ähnet der Birs und ähnet des Carliberg (Fringeliberg)’ von der Schweiz losgelöst. Das Laufental wie der Kanton Jura gehörten zur franzöischen Republik. Die Birs war Grenzfluss entlang derer immer wieder französische Soldaten patroullierten. Auf der Laufener Seite der Schmelzibrücke stand ein Zoll- und Wach-haus. Ohne Passierschein (Pass) durfte die Grenze nicht überschritten werden. Die Schmugglerzeit war angesagt.
Gemeindeversammlungsprotokoll: 16.02.1873
‘In betreff des Gemeindebeschlusses 5 Jäner 1873 Art.3 wird beschlossen, es sei an Xaver Holzherr Gemeinderat von hier, eine umbedingte Vollmacht zu erteilen ./. hat sich jedoch immerhin den Weisungen des hiesigen Gemeinderates zu unterziehen ./. Constantin Gressli, Luis Gressli Sohn auf Schmelzi bei Bärschwil und Xaver Meier Sonnenwirt in Delsberg, namens der Gemeinde auf gerichtlichem Weg zur Vergütung der Kosten der Reparatur der Birsbrücke auf Schmelzi anzuhalten, und die hinen nötigen Massregel einzuschlagen.“
Schmelzibrücke 1875 - 1922
In den Jahren 1874/75 wurde die Eisenbahnlinie gebaut. Am 23. September 1875 hielt der erste Eisenbahnzug auf der Station Bärschwil an. Die Gemeinde und Private hatten die Summe von Fr. 30’000 zusammengebracht und abgeliefert. Sie hatten dadurch erreicht, dass Bärschwil eine Haltestelle erhielt. Auf der Schmelzi konnte das Industriezeitalter beginnen.
Mit dem Bau der Eisenbahnlinie wurden im Bereich der Station Bärschwil Korrektionen des Birsufers und auch der Neubau der Schmelzi-brücke nötig. Fortan sollten auch Ross und Wagen die Brücke überqueren können. Von dieser Brücke existiert ein Foto. In den Gemeinderatsprotokollen wird jeweils von der ‘Holzbrücke auf Schmelzi’ gesprochen. Das Aussehen der Brücke entsprach in den Massen und Typ der heutigen Birsbrücke. Die links- und rechtsufrigen Widerlager der jetzt im Jahre 1996 zum Abbruch kommenden Brücke sind noch die selben. Die Joche und die tragenden Teile waren aus in den Bärschwilern Wäldern gewachsenem Eichenholz zusammengezim-mert, welches in der Sägi Laufen zugesägt wurde. Ueber die tragende Balkenkonstruktion wurden 8 cm dicke Holzbretter zu einer Fahrbahn verschraubt und gesichert mit Eisenwinkeln. Beim Befahren der Brücke mit Ross und Wagen hat es jeweils fürchterlich gerumpelt und auch geschwankt. Als Geländer dienten alt ausgediente Gasrohre. Die als Fahrbahn genutzten Holzbretter litten stark unter den oft schweren Fuhrwerken und mussten immer wieder durch den Bärschwiler Wegmacher ersetzt werden.
Gross waren jeweils die Streitigkeiten, wenn es darum ging, wer für die Unter-halts- und Reparaturkosten aufzu-kommen hatte. Ein Zeugnis davon zeigte die Höhe des Brücken-geländers. Das Geländer auf Bärschwiler und Laufener Seite varierte in der Höhe um 20 cm, damit jedem klar war, welche Gemeinde für welchen Teil der Brücke, für welchen Teil des Geländers und dessen Unterhaltes aufzukommen hatte.
Berichte aus dieser Zeit :
Gemeinderatsprotokoll Bärschwil: 01.12.1896
Es wird beschlossen dem gegenwärtigen Schmelzi-Grundbesitzer, Hydraulische Kalk- und Gypsfabrik-Gesellschaft, Herrn Kasimir Gresli in Solothurn und Herrn Schwob Reisserk in Liestal schriftlich anzuzeigen, dass dieselben wegen grosser Notwendigkeit die halbe Birsbrücke, wozu sie verpflichtet sind nach altem Recht, baldigst reparieren zu lassen.
Gemeinderatsprotokoll Bärschwil: 10.05.1896
Wird beschlossen, es sei beim Bau-Departement in Solothurn auf Exekutionsweg zu rekursieren in Folge der Birsbrücke auf Glashütte, dass dieselbe wieder repariert werden möchte von den Beteiligten.
Protokollauszug des Regierungsrates des Kantons Solothurn: 21.01.1898
Auf das Gesuch der Gemeinde Bärschwil für die Brückenrekonstruktion erklärt sich der Kanton bereit sich an den Kosten im Betrage von Fr. 2'000 mit 1/3 zu beteiligen - für die Brückenhälfte auf Bärschwiler Seite. 2/3 der Kosten hat die Gemeinde Bärschwil zu übernehmen.
Dorfchronik Bärschwil / Seite 68
‘Im Jahre 1910 - 19./10 Jäner - führte die Birs Hochwasser. Die Fluten liefen über die alte Brücke hinweg und überfluteten das Stationsareal. Die mit den ankommenden Zügen aussteigenden Reisenden mussten sich vom Weichenwärter Krüttli, der kurzentschlossen seine Hosen über die Knie krempelte, auf die Schultern laden lassen und in das nahe gelegene Restaurant Bad tragen lassen.“
Gemeinderatsprotokoll Bärschwil: 11.02.1910
„An Ammann Laffer wird herangebracht, daß Affolter Direktor der Kalkfabrik Bärschwil für Wiederaufstellung der Birsbrücke Fr. 100 zugesprochen habe. Sei dieselbe aufzufordern für eine Zahlung von vorläufig wenigstens Fr. 200 eine schriftliche Erklärung zugunsten der Gemeinde abzugeben.
Infolge Hilfeleistung der Feuerwehr-Mannschaft anläßlich des Hochwassers vom 19./20. Januar auf Glashütte wird beteiligter Mannschaft für eine ganze Nachtwache Fr. 3 und für eine halbe Nachtwache Fr. 1.50 als Besoldung bewilligt.“
Gemeinderatsprotokoll Bärschwil: 19.01.1918
„Soll von der Gemeinde Laufen und Bärschwil das Gesuch gestellt werden, es sei die durch das Hochwasser beschädigte Birsbrücke bei der Glashütte durch Sappeur-Truppen zu reparieren. Gleichzeitig sei der Hydr. Kalk- und Gipsfabrik Bärschwil mit Schreiben - Cargo . anzuzeigen, dass die Gemeinde der Fabrik gegenüber das Rückgriffsrecht für die enstehenden Kosten unter allen Umständen vorbehalte, sofern die durch das Stauwehr eingetretenen Eisflächen die Ursache der Zerstörung gewesen sein sollten.“
Begleitschreiben von Herrn R. Meier aus Gerlafingen. Rücksendung von Akten betreffend Birsbrücke: 07.02.1910
‘Da, wie ich aus den Zeitungen gelesen habe, die Hochwasser der letzten Tage die Frage wieder ins Rollen gebracht haben, werden Ihnen die Akten wohl nötig sein.“
Schmelzibrücke 1922 - 1996
Die jetzt im Herbst des Jahres 1996 abgerissene Birsbrücke wurde in den Sommermonaten des Jahres 1922 erbaut. Der Bauvertrag zwischen den Gemeinden Laufen/Bärschwil und dem Unternehmer wurde am 13. Mai 1922 unterzeichnet. Bereits im Monat Oktober des gleichen Jahres lag die defintive Schlussabrechnung vor. Der vom Ing. Büro Levy&Masset in Delsberg erstellte Kostenvoranschlag von Fr. 36'000 konnte eingehalten werden - Schlussabrechnung: Fr. 30'735.50.
Die Brücke stand bis zu ihrem Abriss im Jahre 1996 während 74 Jahren sämtlichen Hochwassern und dem zunehmendem Vehrkehrsaufkommen halt. Bis zum Bau der Grindel-strasse im Jahre 1968 war sie für die Bärschwiler die einzige fahrbare Verbindung zur Aussenwelt. Während einem ¾ Jahrhundert wurde die Brücke keiner grösseren Sanierung unterzogen.
Schwarzbubenkalender: 1923
Ganz bedenklich schwankte die alte Bärschwil Birsbrücke, wenn man mit einem schweren Wagen darüberfuhr. Sie war oft repariert worden, aber alles ‘Pflästerlen’ half nicht viel. Zudem gab es fast immer ‘Nürzereien’ wer die Kosten tragen musse, denn die Birs bildet hier die Grenze zwischen den Kantonen Bern und Solothurn. Es ist hauptsächlich der Initiative des Herrn Kantonsrat B.J. Affolter, Direktor, zu verdanken, dass die alte Lotterbrücke durch eine solide, neue ersetzt wurde. Der Kt. Solothurn leistete daran einen grossen Beitrag, so dass die Bärschwiler nicht bloss eine flotte Brücke bekamen, sondern es ist ihnen damit auch ein schwerer Stein vom Magen gefallen.
(Den Bärschwilern fallen die Steine offenbar nich von den Herzen, sondern von den Mägen!)
Berichte aus dieser Zeit: Protokollauszüge
Gemeinderat Protokoll: 11.12.1918
„Als Abordnung zu der für Morgen angesagte Besprechung auf Glashütte betreffend der dortigen Birsbrücke wird bestimmt Ammann Laffer, Gemeinderat Meier und Pius Fringeli Gemeindeschreiber.“
Gemeinderat Protokoll: 04.07.1920
„Bezüglich der reparaturbedürftigen Birsbrücke auf Schmelzi sei dem Bau-Departemnt Solothurn die Frage zu stellen, ob nach erfolgter Reparatur die Kantone Solothurn und Bern gewillt sind, die Brücke zu übernehmen.“
Konferenz: 11.11.1920
Konferenz vom 11. November 1920 vormittags 09.00 Uhr im Restaurant ‘Bad Bärschwil’. Anwesend sind: Herr Oberingenieur Peter von Delsberg (Vertreter des Staates Bern)
Herr Kantonsingenieur Sessli, Solothurn und Bauadjunkt Meyer , Dornach,
als Vertreter des Kantons Solothurn
Herr Gemeindepräsident Haas, Gemeinderat Müller und Gemeindeschreiber
Segginger als Vertreter der Gemeinde Laufen
Herr Gemeindepräsident Laffer und Gemeinderat A.Meier als Vertreter der
Gemeinde Bärschwil
Herr Levy, Ingenieur der Firma Levy und Masset aus Delsberg
Schreiben der Gemeinde Bärschwil an das Bau-Departement des Kantons Solothurn:26.11.20
Zustellung des Gemeindeversammlungs-Protokollauszuges - Gesuch um Kostenübernahme durch den Kanton: ‘wenn vollständig nicht möglich, so doch in ihrer Hauptsache’.
Begründung: Hinweis auf einzigen möglichen fahrbaren Ausgang aus der Ortschaft - Zwar liege die Brücke ganz auf dem Gebiet des Kantons Bern aber zum Nutzen der Gemeinde Bärschwil. Die Gemeinde sei schon stark verschuldet.
„Wir zweifeln keinen Moment daran, daß Sie unserem Gesuch in gut landesväterlicher Weise möglichst ausgedehnt Berücksichtigen und prompte erledigen angedeihen lassen werden.“
Protokollauszug aus der Einwohnergemeindeversammlung von Laufen: Dez. 1921
„Erwägungen: Die sogenannte Schmelzi- oder Glashüttenbrücke bei der heutigen Station Bärschwil verbindet die Landstraßen Laufen Delsberg als Kantonsstrasse mit der solothurnischen Kantonsstrasse bei der Station Bärschwil. Während das linke Birsufer bernisches Gebiet darstellt, ist das rechte Birsufer solothurnisches Gebiet.
Das rechte Birsufer bildet an dieser Stelle die Kantonsgrenze. Das Birsbett selbst ist bernisches Staatsgebiet. Die hier über die Birs führende Brücke ist Eigentum der Einwohnergemeinde Laufen und Bärschwil. Ihnen liegt deshalb auch die Unterhaltspflicht der Brücke, obschon sie die einzige Verbindung ist der beiden dortigen Kantonsstrassen.
So kam es, daß die Anschauung in Bezug auf die öffentlichen und staatsrechtlichen Verhältnisse, dieses durch die Brücke verkörperten Strassenteils schon von Alters her Auseinandersetzungen und seit den vierziger Jahren des letzt verflossenen Jahrhunderts, Gegenstand anhaltender Streitigkeiten bildeten, die nie, bis heute nicht zum Austragen gekommen sind.
Der Unterhalt der Brücke aber, wie derjenige der beidseitigen Zufahrten, war für beide Gemeinden eine jährlich wiederkehrende Last, welche von Jahr zu Jahr umso drückender wirkte, als die Widerstandskraft der hölzernen Birsbrücke nachließ und letztere dermaßen baufällig wurde, daß die nicht zu umgehende Reparatur sich heute bis auf die Widerlager und Joche erstrecken und deshalb eines völligen Umbaues gleichkommen wird.
Die Gemeinde Bärschwil ging diesmal voran. Es gelang ihr die Baubehörden des Kantons für diese Sache zu gewinnen und alsdann auch die bernischen Behörden auf bezüglich Vorstellungsgesuche des Gemeinderates Laufen gegenüber früher grösseres Verständnis und wohlwollenderes Entgegenkommen zeigten, gelangten dann nach mehrfach stattgehabten Vorbesprechungen die beiden Gemeinden dahin, die nötigen Unterlagen zu schaffen zum Bau einer neuen Birsbrücke.
Mit dem vorgesehenen Neubau ist dann auch eine Korrektion der Birs am linken Ufer vorgesehen, wodurch eine erhebliche Vergrößerung des Durchflussprofils und im gleichen Masse eine Herabminderung der Ueberschwemmungsgefahr bei Hochwasser, Eisgang etc, garantiert wird, welchen Gefahren hauptsächlich auch die auf der rechten Birsufer sich hinziehenden Schienengeleise der SBB ausgesetzt sind.
Am 11. November 1920 einigte sich sodann eine von Vertretern der Baubehörden des Kantons Solothurn und Bern und solcher der Gemeinden Laufen und Bärschwil besuchte Konferenz auf die Konstruktion und Ausführungspläne für eine neue Birsbrücke der Ing. Levy und Masset in Delsberg und kam des weiteren überein, dass diese Frage den zuerstbeteiligten Gemeinden Laufen und Bärschwil vorgelegt werden sollte zur grundsätzlichen Aussprache darüber, dass sie willens sind, nach diesen Vorlagen einen Neubau dieser Birsbrücke und Korrektion der Birs herbeizuführen und bei diesem Anlass dann auch die zukünftigen Eigentums- und Unterhaltsverhältnisse bleibend zu ordnen im Sinne der Uebernahme dieser Brücke in den Verband der Kantonsstrassen Solothurn und Bern zur Entlastung der beiden Gemeinden Bärschwil und Laufen.“
Schreiben der Gemeinde Bärschwil an das Bau-Departemt des Kantons: 28.03.1921
„Wie ich erfahren habe, wird der Kanton Bern auf Antrag seines Oberingenieurs des Jura, Herr Peter in Delsberg, 25% Beitrag an die Gesamtkosten der Erstellung der Birsbrücke bewilligen. Der Kanton Bern ist an der Birsbrücke nur so interessiert, dass die Bewohner der 2 Gebäude auf Stürmenhof, ein Teil der Waldung der Stadtburgergemeinde Laufen im Stürmen und der auf Bern Gebiet liegenden Teil der Kalkfabrik einen Uebergang über die Birs erhalten, während auf Seiten des Kantons Solothurn die Brisbrücke für ca 800 Einwohner von Bärschwil der einzig fahrbare Ausgang aus der Ortschaft ist. Der in bestimmter Aussicht stehender Beitrag des Kantons Bern deswegen als ein aussergewöhnlich grosszügiges und oculantes Entgegenkommen angesprochen werden. Das von der Gemeinde Bärschwil gestellte Gesuch ist dagegen höchst Bescheiden und steht in keinem Verhältnis zum Beitrag des Kantons Bern. ........ Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass evtl. aus den neuerlichen Bundes- und Kantonskrediten zur Begegnung der Arbeitslosigkeit (Tiefbauarbeiten) erfolgen könnte.“
Schreiben der Gemeinde Bärschwil an das Bau-Departemt des Kantons Solothurn: 13.06.1921
„Wie ich erfahren konnte, geht der Antrag Ihres Departementes dahin, dass der Staat Solothurn an die Neukonstruktion einen Beitrag leistet, dass dagegen die Unterhaltspflicht auch fernerhin der Gemeinde Bärschwil überbunden bleibt. Ich muss gegen diesen Antrag mein höchstes Ertaunen ausdrücken und muss bestimmt erklären, dass derselbe undiskutabel ist. Die Gemeinde wird auf eine solche Lösung nie eintreten, sie hat es vielmehr einmal satt, immer wieder konstatieren zu müssen, wie der Staat sich zu Papa Kyburz Zeiten um seine Aufgabe und Pflicht herumdrückt. .......... Die Unterhaltspflicht der Gemeinde ist ein alter überlebter Zopf...... Der Beitrag des Kantons Bern ist ein zuvorkommend aussergewöhnlich hoher und steht in keinem Verhältnis zu dem was vom Kanton Solothurn verlangt wird. Für zwei Höfe und Bürgerwaldungen will der Staat Bern Fr. 9'000 leisten und der Kanton für eine ganze Gemeinde von über 850 Einwohner ganze Fr. 13'000. Die Bärschwiler-Birsbrücke dient wohl nur lokalen Zwecken mehr oder weniger, aber sie ist, wie schon gesagt, der einzig möglich fahrbare Ausgang aus der Ortschaft.........“
Schreiben der Gemeinde Bärschwil an Staatswirtschaftskommission des Kantons: 14.06.1921
„Wie uns bekannt ist, werden Sie auf die nächste Session des Kantonsrates das Traktandum Erstellung einer Brücke über die Birs bei Bärschwil vorzubehandeln haben........Wiedererwägungsgesuch betreffend der Kostentragung des Brückenunterhaltes. Aufnahme der Brücke in das Kantonsstrassennetz. .............Die Einwohnergemeinde Bärschwil hat als Ablösung ihrer bisherigen Verpflichtung an dieser Brücke einen Beitrag von 30% der Hälfte der Gesamtbaukosten zu leisten, abzüglich die von ihr für die Erstellung der Pläne und Kostenberechnung bereits vorgeschossen Fr. 900.
Auszug aus dem Protokoll des Kantonsrates von Solothurn: 20.07.1921
„Das Projekt für die Erstellung einer neuen Birsbrücke bei Bärschwil im Kostenvoranschlage von Fr. 36'000 wird genehmigt, An die auf den Kantons Solothurn entfallenden Kosten im Betrag von Fr, 18'000 wird ein Staatsbeitrag von 2/3, Im Maximum Fr, 12'000 bewilligt, unter
der Bedingung, dass die Gemeinde Bärschwil den Restbetrag von Fr. 6'000 übernimmt. Den späteren Unterhalt der Brücke übernimmt der Staat Solothurn gemeinsam mit der Gemeinde Laufen.“
Birsbrücke 1996
Visuelle Brückenkontrollen des kantonalen Tiefbauamtes Bern ließen schon in den frühen 80’er Jahren die Vermutung aufkommen, daß die Tragfähigkeit der schon bald 70-jährigen Brücke zu überprüfen sei und eine Sanierung notwendig werde. Im Jahre 1991 wandte sich die Bärschwiler Gemeindebehörde an das kantonale Tiefbauamt mit der Bitte, die schon äußerlich reparaturfällig erscheinende Brücke einer genaueren Überprüfung zu unterziehen. Erste Gespräche zwischen den kantonalen Behörden des Kantons Bern und Solothurn und beigezogenen Fachleuten fanden statt. Es zeigte sich schon bald, daß das Bauwerk in einem bedenklichen Zustand, nicht mehr saniert werden könne und man um einen Brückenneubau nicht mehr herumkommen werde. Statische Berechnungen über die Tragfähigkeit des Bauwerkes bestätigten den bedenklichen Zustand. Die Schmelzibrücke hat jedoch während den Jahren der Laufentalabstimmung allen Belastungen standgehalten und den Kantonswechsel des Laufentals geduldig abgewartet.
Mit der Planung und Projektierung für die Erneuerung der Birsbrücke wurden die Ingenieurgemeinschaft Walther, Mory, Meier, Basel und Peter Jermann, Zwingen im Spätherbst 1994 von den Kantonen Basel-Landschaft und Solothurn beauftragt. Nach den anfänglichen Voruntersuchungen und einer statischen Nachberechnung der bestehenden Brücke, mußte diesmal mit Schrecken festgestellt werden, daß die Tragsicherheit nicht mehr gewährleistet war. Am 31. Januar 1995 war es soweit. Für 3 Wochen wurde eine sofortige Gewichtsbeschränkung auf 7 Tonnen verfügt. Die Umleitung erfolgte von Laufen über Wahlen, Grindel nach Bärschwil. Zwischenzeitlich wurde die alte Brücke provisorisch verstärkt, damit sie wieder sicher mit Fahrzeugen bis 28 Tonnen befahren werden konnte. Mit dem Bau der neuen Birsbrücke wurde am 18. April 1996 begonnen. Die Gesamtbauleitung lag beim Tiefbauamt Basel-Landschaft unter der Leitung des Strassenverwaltungskreis 4, Herrn André Lauff. Der Kanton Solothurn war im Planungs- und Ausführungsgremium angemessen vertreten ist. Die Kosten belaufen sich auf über 2 Millionen Franken und werden von den beiden Kantonen getragen.
Das neue Bauwerk hat eine Länge von 28 Metern und eine Breite von 10.15 m. Im Gegensatz zum alten Birs-übergang hat die neue Brücke keinen Mittelpfeiler. Zudem ist die Fahrbahn leicht gewölbt. Selbst bei starkem Hochwasser sollte die Brücke ins-künftig jederzeit passierbar sein. Die Stahlkonstruktion mit einem Gewicht von 21 Tonnen wurde am nördlichen Ufer zusammengeschweißt und in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, 18/19 Juli 1996 um 00.15 Uhr mit einem 170 Tonnen Autokran, über die Birs auf die neuen Widerlager versetzt. Anschließend wurde die Fahrbahnplatte geschalt und betoniert. Die Baumeisterarbeiten wurden von der Firma Albin Borer AG, Laufen ausgeführt. Nicht nur die Automobilisten profitieren vom neuen Birsübergang. Entlang der neuen Fahrbahn mit einer Breite vom 6.20 Meter ist oberwasserseitig ein 1.50 Meter breiter Fussgängersteg angebaut. Die beiden Postautohaltestellen an der Delsbergstrasse J18 wurden nach südwesten verschoben und zur Verbesserung der Fussgängerüberquerung wurde eine Mittelinsel eingebaut. Auf der Bärschwiler Seite wurde ein neuer Bahnübergang mit Barrierenanlage erstellt.
Am 19. Oktober 1996 wurde sodann die neue Brücke anläßlich einer kleinen Feier, unter Beisein der beiden Baudirektorinnen Elsbeth Schneider (Kt.BL) und Cornelia Füeg (Kt.SO), dem Verkehr und der Allgemeinheit übergeben.
Zeitzeugen berichten:
Die Schmelzibrücke und die Schwemmholzflösser (Paul Horni, geb. 1928)
Bis in die frühen 60 Jahre war für die Bärschwiler das Brennholz der eigentliche Energielieferant für das Beheizen der Häuser und das Wärmen der Kochtöpfe. Das heute in unseren Wäldern zu sehende Bild von herumliegendem Gehölz, Baum-stämmen und Geäst war bis in diese Zeit verständlicherweise nicht anzutreffen. Selbst Tannenzapfen und Reisig wurden gesammelt.
Die Birs - dieser Fluß mit seinem weiten Einzugsgebiet - führte vorab im Frühjahr bei Schneeschmelze, aber auch bei lang andauernden Regenperioden beachtliche Mengen Schwemmholz mit. Das haben sich jeweils die auf der Station wohnenden Bärschwiler zu Nutzen gemacht. Man zimmerte sich aus Tannenholz eine etwa 4 Meter langes und am dickeren Ende mit einer Metallspitze versehenes Fanggerät mit dem man das auf dem angeschwollenen Fluss treibende Holz aufspiesen und an Land flössen konnte. Der Erfolg des ‘Flössers’ hing vorallem davon ab, dass er es verstand gezielt und kräftig auf sein Beutegut zuzustechen. Die Schmelzibrücke bot sich als geeignete Plattform für das Abfangen von Schwemmholz, zumal ein Wuhr unterhalb der Brücke, welches erst in den frühen 70er Jahren abgerissen wurde, den Lauf des Flusses verlangsamte und das einmal an den Flosshacken genommene Schwemmholz ohne allzugrosse Mühe an das Ufer gerettet werden konnte. An gewissen Tagen waren bis zu sieben ‘Schwemmholzfischer’ bei der Arbeit anzutreffen. Es versteht sich von selbst, daß um die schönsten Holzstücke gerangelt werden musste und das ganze auch einen sportlichen Charakter hatte. Das Holz wurde sodann am Birsufer gestapelt, wobei jeder Beteiligte peinlichst darauf schaute, welcher Holzstapel dein und mein war.
Es begab sich nun einmal, daß in den frühen 40’er Jahren zwei junge Burschen sich mit ihren Schwemmholzfanggeräten auf die Schmelzibrücke begaben. Zwar führte dir Birs recht viel Wasser, aber für den Kenner war schon bald klar, daß hier etwas nicht stimmen konnte, da die Birs doch eigentlich kein Schwemmholz mitführte. Und doch - schon bald trug der Fluss ein frischgehobeltes Brett - Flegglig - mit sich. Und rund 100 Meter weiter Fluß aufwärts bereits ein zweites, und ein drittes und so gings weiter. Fachmännisch haben die beiden Burschen die Bretter an Land geflößt, und schon nach kurzer Zeit war ein beachtlicher Bretterhaufen beisammen, der nach einigen Wochen Trocknungszeit - abeits des öffentlichen Auges - zu einem schicken Holzschopf zusammengezimmert wurde. Weiterer Raum für das Lagern und Trocknen von Schwemmholz konnte so geschaffen werden. Und des Rätsels Lösung: Das Militär war in dieser Zeit damit beschäftigt, bei der Eisenbahnbrücke Panzersperren zu errichten. Die für den Bau benötigen Bretter wurden unterhalb der Eisenbahnbrücke - um sie trocken zu halten - gelagert, dummerweise jedoch am immer wieder Hochwasser führenden Birsufer. Der Vater der beiden Burschen hat sich sodann heimlich und in Absprache mit seinen Söhnen daran gemacht, Brett um Brett der Birs zu übergeben - eben Schwemmgut.
Das erste Auto rattert über die Schmelzibrücke (Hans Krüttli, geb. 1913)
Der erste Autobesitzer der Region war der Arzt Doktor Kleiber von Laufen. Noch schwieriger als der Erwerb eines geeigneten Automobils gestalltete sich seine Suche nach einem geeigneten Fahrer. Diesen hat er im Nachbardorf Courrendlin - auf alt Bärschwiler-Deutsch Rennendorf - gefunden. Doktor Kleiber lies sich mit seinem Fahrzeug jeweils chauffieren. Er saß meist bei offenem Verdeck auf der hinteren Sitzbank seines Vehikels.
Er war dann auch der Automobilist - der zwecks einer dringenden Arztvisite - als erster die Fahrt über die Birsbrücke nach Bärschwil wagte. Dies war im Jahre 1915. Die Strasse von der Station ins Dorf führte teilweise noch durch das Bachbett des Mühlebaches. Sicherlich muss die Akunft des ersten Kraft-fahrzeuges im Dorf für grosse Aufregung gesorgt haben.
Die ärztliche Versorgung der Bärschwiler wurde zu dieser Zeit vorab vom ‘schwarzen’ Doktor Kleiber und vom ‘roten’ Doktor Roth - wie man sagte - betreut, welche beide in Laufen wohnten.
Der erste Bärschwiler, der sich im Jahre 1928 ein Automobil erstand, war der Baumeister Peter Meier. Bereits im Jahre 1925 war er glücklicher Besitzer eines gelben Töff’s mit Seitenwagen. Er war aber auch der erste, der erfahren musste, wie gefährlich das Führen eines Automobils sein konnte. Eines Abends, von der Station herkommend in Richtung Dorf fahrend, wollte er mit seinem Vehikel den steilen Plattenweg hinauf. Dabei misslang ihm der Schaltvorgang, sodass der schwere Wagen im steilen Stras-senstück rückwärts zu rollen begann und schliesslich sich überschlagend erst wieder im Mühlebach zu halten kam. Der verunglückte Automobilist musste von seinem Sohn Emil und dem Krüttli Hans aus misslicher Lage geborgen und der Verunfallte auf dem Buckel nach Hause getragen werden. Die Verletzungen waren nicht so arg wie erst vermutet, hingegen war das Automobil stark beschädigt. Die beiden Retter waren gerade auf dem Vorderwiler beim Jassen, als sie durch ein fürchterliches Krachen auf den Unfall aufmerksam gemacht wurden.
Das Stauwehr unterhalb der Schmelzibrücke: Der Schmelzisee (Hans Krüttli, geb.1913)
In den 80’er Jahren des vorigen Jahr-hunderts wurde durch die Jurasitfabrik rund 30 Meter unterhalb der Schmelzibrücke ein Stauwehr errichtet. Das Wuhr war eine Holzkonstruktion aus Balken und Brettern und konnte durch drehen an einem grossen Handrad, je nach gewünschtem Was-serstandsspiegel, in der Höhe verstellt werden. Durch die künstliche Erhöhung des Birsstandes wurde das Wasser über einen Kanal in das Fabrikgelände umgeleitet, wo das mit Wasserkraft betriebene Industrie-mühlerad dafür sorgte das zwei fürchterlich lärmende Steinbrech-maschinen Kalk- und Gipssteine verarbeiten konnten. Mit der Elektrifizierung in den 20’er Jahren wurde auf dieses Antriebsaggregat verzichtet. Die Wasserkraft wurde inskünftig bis in die 60’er Jahre dazu verwendet, mittels einer kleinen Turbine und eines Generators Strom zu erzeugen. Das Stauwehr wurde jedoch in den 70’er Jahren abgerissen, was vielleicht aus heutiger Sicht bedauernswert erscheinen mag.
Das Birswasser staute sich damals zu einem beachtlichen See bis zur großen Kurve der Delsbergerstrasse. Das hatte natürlich für die auf der Station wohnenden Kinder - bis zu vierzig an der Zahl - seine tollen Seiten. Auf dem Schmelzisee konnte im Sommer mit einem kleinen Holzboot herumgepadelt und herrlich gebadet werden.
Es geschah auch einmal, daß ein ‘ähnet der Birs’ wohnendes Büblein von der Schmelzibrücke in den Fluß plumpste. Der Vorfall konnte glücklicherweise vom Weichenwärter Otto Krüttli beobachtet werden. Dieser zögerte nicht lange und sprang samt Uni-form und Hut in die Birs und hat so - ohne wenn und aber - dem kleinen Flury das Leben gerettet.
Die Winter waren früher noch viel strenger als heute. Immer wieder kam es zu großen Vereisungen und zu Eisgang. Das war dann für die Schmelzibrücke eine gefährliche Sache, da der Eisgang des Flusses die Holzjoche oft arg in Mitleidenschaft zog. Im Jänner des Jahres 1929 war es besonders kalt und der Flußlauf war gänzlich zugefroren. Während drei Wochen verwandelte sich die gestaute Birs zu einem riesigen Eisfeld und schon damals tummelten sich Jung und Alt mit den Schlittschuhen auf dem zugefrorenen Fluss.
Unsere Dorfbrunnen
So hat sich also die Bärschwiler Einwohnerschaft entschieden die plätschernden Zeitzeugen zu erhalten. Darüber freuen sich nicht nur die beiden mit den aufwendigen Restaurationsarbeiten beauftragen Steinbild-hauer Peter und Adrian Weber von Röschenz - über 800 Stunden Arbeit auf drei Jahre verteilt kamen so zusammen, sondern ganz besonders wir Bärschwiler selbst. Letztmals waren die Brunnen Anfangs 70-er Jahre saniert worden. Erfahrungsgemäss bedürfen Brunnen alle zehn Jahre einer fachmännischen Kontrolle und der Behebung von meist kleineren Mängeln. Alle 30 bis 40 Jahre sodann steht eine Gesamtrestaurierung an. Jede Generation muss sich somit seiner Dorfbrunnen, diesen Kulturgütern, mindestens einmal annehmen.
Und genau diesem fachmännischen Rat sind die Bärschwiler ganz offensichtlich und ohne Zwang gefolgt. Nicht anders ist zu erklären, dass die drei im Jahre 1833 erstellten Dorfbrunnen nach 170 Jahren noch heute und jetzt nach der Restaurierung so da stehen, als wären sie erst gestern gebaut worden. In vielen Gemeinden sind die altertümlichen Brunnen gänzlich verschwunden – zum Beispiel im Steinhauerdorf Röschenz. Vorab in den 60’er Jahren, als überall die Dorfstrassen verbreitert, Miststöcke und Gartenanlagen zugunsten neuerer, breiterer und geteerten Strassen und Trottoiren weichen mussten, wurden vielerorts auch die Dorfbrunnen weggeschlagen und entfernt. Nicht so in Bärschwil. Ein Grund dafür liegt vorab in der noch in dieser Zeit sehr bäuerlichen Struktur unsers Dorfes. Noch bis in die 80’er Jahre und vereinzelt auch heute noch, wird das Rindvieh bei den Brunnen getränkt und Wasser aus den Brunnen geholt. Da die Bärschwiler zudem bis in die 80’er Jahre immer wieder mit der Wasserversorgung arge Probleme hatte, da die Wasserversorgung bei heissen und trockenen Sommern nicht genügend Wasser liefern konnte, kam es immer wieder vor, dass die Landwirtschaft aber auch die Haushalte sich bei den Dorfbrunnen mit Trink- und Brauchwasser eindecken mussten.
Die drei Dorfbrunnen 1833 (Bild)
Als eigentliche Kulturgüter und worauf wir wirklich stolz sein dürfen, sind unserer drei Dorfbrunnen Holle, Alti Chäsi und Post. Alle drei Brunnen tragen die Jahreszahl 1833 und das Solothurner Kantonswappen.
Erst kürzlich wurden im Gemeindearchiv die alten Kauf- und Lieferverträge entdeckt. Nachfolgend Auszüge aus diesen Dokumenten:
Brunnnen-Akkord
„Jm Jahr Achtzehn hundert drey und dreysig den acht und Zwanzigsten Merz
Vor den unterschriebenen hinzu berufenen Zeügen, welche sich zu Ende mit uns Partheyen unterzogen haben, ist folgende Accord verabredet und beschlossen worden.
Nemlich. Wir Johann Flury, Ammann, Jakob Bohrer Gemeindschaffner, und Peter Henz, alt Gemelndschaffner alle drey von und wohnhaft zu Berschwill Canton Solothurn, agierend für und namens der Gemeinde Berschwill alle drey handelnd, verdingen den Herren Johannes Meyer, u. Johannes Burger, beede Steinhauer von und wohnhaft zu Laufen Canton Bern
Nachfolgend
1°: Drey Brunnen - Behälter, mit vier Gewenter [?] zusamen, gesetzt, samt Böden von sauber gehauenen Steinen, zu machen, wovon,
2°: die ersten zween Hohle [?] haben sollen, als Zehn Schuh lang, fünf Schuh breit, die Wände sollen sieben Zoll dick sein, und zwey und ein halben Schuh höche haben
3°: der dritte, soll eilf, Schuh lang, und vier und ein halben Schuh breit, und nemlicher Höhe wie die ersten gemacht werden.
4°: drey dazu nöthige Brunstöcke, nach Proportion ausgefertigt, wovon der einte ein abtheilung enthalten kan der andere enthalten soll.
5°: drey Waschtröglein ein jedes zu einem Schuh schwächer als der Brunnen breit ist, die breite davon soll zwey Schuh hohl, und ein Schuh tief sein.
Die Ubernehmer haben zur Last bemelte Arbeit zu versetzen, das nöthige Kit zu lifern, und Gewährleisten für die dauerhafte und Rechtmässige Arbeit fünf volle Jahre Lang vom Tag der Versetzung, oder der Verfertigung an. Die Gemeinde ist gehalten alles nöthige Fuhrwerk in ihren Kösten zu entrichten, und auf die gemachte Arbeit wohl Acht zu haben, und für alles mit Fleiss an besagten Brunnen, und Brunnstöcken während dieser Zeit Schaden leidende über Sie zu nehmen.
Die Uebernehmer sind gehalten die Steine helfen auf und abzu laden; Solle während dem Fuhrwerck gesagte Steine, so wie auch bis zur Versetzung underselben, ein Stein verbrechen, mit Ausnahme eines allfälhligen Wagen - Verbruchs, ist es zur Last der Ubernehmer.
Für Preis sind die Partheyen einig geworden für und um eine Summe von fünf Hundert vier Schweizer ranken, Zahlbarr nach beendiger Arbeit, worauf aber die Ubernehmer, gehalten sind bey enthebung der obgeschriebenen, Summe, für die dauer der fünf Jahre Bürgschaft leisten sollen.
Alle obgemlte Arbeit solle vom heutigen Tage an bis Ende, Herbstmonat dieses Jahres beendigt werden, und nach französischem Mass berechnet werden.
Allso gemacht zu Laufen den Tag und Jahr wie Eingangs gemelt in Gegenwarth, Herrn Mathias Gschwind, von Laufen und Joseph Niera von daselbst, Johann Flurj Ammann, Jakob Clemens Borrer, Peter Henz
Am 28. März 1833 wurde also zwischen der Gemeinde Bärschwil den beiden Steinhauer Burger Johannes und Meyer Johannes in Laufen der Vertrag über die Herstellung und Lieferung der drei Dorfbrunnen unterzeichnet.
Schwerstarbeit für die Steinhauer. Das Gewicht eines Steinbrunnes beträgt 15 bis 18 Tonnen. Ein Brunnen besteht jeweils aus 3 Bodenplatten, 4 Seitenwänden, dem Brunnstock und einem Waschtrog. Gebrochen wurden die bis 2.5 Tonnen schweren Steinplatten aus dem Steinbruch „Schachental“ in Laufen/Dittingen. Die Steinblatten wurden sodann mit dem Meisel bearbeitet. Während gut sechs Monaten dürften vier bis sechs Steinhauer sich mit der Herstellung dieser drei Brunnen beschäftigt haben.
Man bezeichnet die so aus mehreren Steinplatten zusammen-gesetzten Brunnen als „Chübelbrunnen“. Diese Brunnen haben gegenüber Massivbrunntrögen den Vorteil, dass sie ein grösseres Fassungsvermögen haben und wurden dann erstellt, wenn ein Brunnen nicht nur als Wasserbzugsort, sondern vorallem auch als Tränkebrunnen für das Vieh und vorab auch als Reservoir und Wasserbezugsort für die Feuerwehr dienen sollte. Der grössere Brunnen bei der Chäsi hat ein Fassungsvermögen von fünf Kubikmeter. Dem Brunnen wurde noch ein Waschtrog beiseitegestellt. Es war bei Strafe untersagt, das Wasser im grossen Brunntrog zu verschmutzen.
Gross dürfte die Aufregung im Dorf gewesen sein, als die Steinplatten der Brunntröge am 19. und 20. August 1833 in nur zwei Tagen geliefert wurden. Erst am 23. Oktober sodann wurden die Brunnstöcke und Brunntrögli in Laufen geholt. Aus der Gemeinderechnung 1833 können wir entnehmen:
den 19’ten Augustm; 1833 zu Laufen
für 15 Stück Vieh als Vorspan,
Zoll laut Nota Fr. 1.60
Gleichen Tag für 8 Mann ein Trunk Fr. 1.60
den 20’ten Augustm; 1833 wiederum
für 31 StückZug Vieh der Zoll zalt Fr. 3.10
Gleichen Tag für 16 Mann
ein Trunk zalt Fr. 4.—
den 23’ten Oktober 1833 zu Laufen
das dieBrunnstöcke und Brunntrögli
sind gereicht worden, für 16 Stück
Zug Vieh der Zoll, laut Nota Fr 1.60
ferners für Fuhrleut ein Trunk bezalt Fr. 2.80
Total Transportkosten Fr. 14.70
Ganz offensichtlich hat sich die Gemeinde den Transport nicht viel kosten lassen. Lediglich Fr. 6.20 an Zollgebühren für die Grenzpassierungen der Kantonsgrenzen Bern-Solothurn und Fr. 8.50 als „Trunkgeld“ für die sicherlich durstigen Fuhrleute nach „getaner“ Arbeit. Ganz offensichtlich hatten die Fuhrleute, Landwirte unseres Dorfes, ihre Zugtiere (Stiere) und ihre Arbeitskraft unentgeltlich der Gemeinde im Sinne von Fronarbeit zur Verfügung zustellen. Es dürfte ihnen wohl nicht allzuschwer gefallen sein, denn es ging ja um das eigene Wohl, um die Brunnen der eigenen Dorfgemeinschaft.
Ein beindruckender Schwertransport muss es gewesen sein. Die älteren Leute in unserem Dorf wissen noch heute aus mündlicher Ueberlieferung zu erzählen. Wie mühsam musste sich dieser Schwertransport gestalltet haben. Weder gab es um 1833 eine Birsbrück und man musste unseren Grenzfluss in einer Fuhrt überqueren. Die Strasse vom Bad ins Dorf war lediglich als Karrenweg ausgebaut und sehr schmal. Sie führte dem Dorfbach entlang und auf weiten Strecken auch direkt durch und über das Bachbett. Bei der roten Brück – diese existierte damals noch nicht - führte der Weg ein kurzes aber sehr steiles Stück hinauf bis auf die Matten hinter Burghollen. Infolge der bis 2.5 Tonnen schweren Steinplatten entschied man sich mit diesem Schwertrasport nicht über den heutigen Steinweg, sondern über die Stritteren, Mettlen und übers Käppeli zu fahren.
Am 19. August waren 16 Stück Vieh (Stiere) und 8 Mannen im Einsatz. Am 20. August sodann 31 Stück Vieh und 16 Mannen. Eine richtige Karavanne mit sieben oder acht Wagen muss das gewesen sein. Ob da vielleicht auch geflucht und geschumpfen wurde? Zum Teil wurden zwei, dann auch 4 und beim steilen Wegstück bei der roten Brücke vielleicht auch 6 oder 8 Stiere vor die Karren vorgespannt werden. Nicht gesicherte ist ob die Steine auf Karren mit Achsen und Räder transportiert wurden. Gemäss Armin Borer (Jahrgang 1916) wurden die Steinplatten auf grossen 6 Meter langen Schlitten mit Eisenkufen transportiert, respektive nach Bärschwil geschleift. Dies ist durchaus denkbar. Gerade bei einem steilen Anstieg und insbesondere bei Schwerlasten scheint man mit einem Schlitten besser bedient zu sein als mit einem Wagen.
Wie dem auch sei. Die drei Brunnen wurden in der Folge von den beiden Laufener Steinmetzen Meyer und Burger in Bärschwil an den heutigen Standorten zusammengebaut. Zuerst wurden jeweils die drei Bodenplatten versetzt, dann die Seitenwände. Die Wassersperren bei den Verbindungen zwischen den Steinplatten wurden mit Bitumen abgedichtet. Die Brunnenwände oben sodann noch mit im Bleiguss liegenden Winkeleisen verbunden. Nach der Lieferung der Brunnstöcke und Waschtröge am 23. Oktober, wurden auch diese versetzt. Den Abschluss der Arbeiten und die eigentliche Aufrichtung erfolgte mit dem Aufsetzen der Obelisken mit ihren Steinkugeln auf den Brunnstöcken = Krönungsteil. Alle drei Brunnen tragen das selbe Signet, welches das Markenzeichen der Brunnen-macher war. Jeder Steinhauer hat so sein eigenes und ganz spezifisches Krönungsteil. Ihren Lohn von Fr. 504.-- und ein Trinkgeld für Fr. 8.-- haben die Steinhauer erhalten am 15. November 1833. Um diese Jahreszeit dürfte es den Bärschwilern wohl kaum ums Festen – Brunnenfest - gewesen sein. Eher wird man sich in den warmen Stuben – um diese Zeit waren die Winter noch kalt = kleine Eiszeit - zusammengesetzt haben und sich so über die „nigelnagelneue“ Wasserversorgung gefreut haben.
Die Gesamtkosten beliefen sich gemäss Schlussabrechnung auf Fr. 754.93. Finanziert wurde dieses Projekt und der Gemeindehaushalt 1833 wie damals üblich nicht durch Steuern sondern mit Fronarbeit und durch den Verkauf von 64 Klafter Gabenholz, welche mit Fr. 844.80 Einnahmen verbucht werden konnten.
Gespiesen werden der Brunnen in der Holle und bei der Chäsi damals wie auch heute von den Modlenquellen. Der Brunnen bei der Post von der sehr ergiebigen und nur wenig Meter oberhalb des Brunnens befindlichen Baumenrainquelle.
Und so können wir uns auch im 21, Jahrhundert noch an diesen einmaligen, ogrinalgetreu und jetzt wieder frisch restaurierten Zeitzeugen erfreuen.
Oberwilerbrunnen
Eine ganz andere Geschichte erzählt der Brunnen auf dem Oberwiler. Beim Betrachten dieses aus einem Stein geschlagenen ovalen Brunnens wird man sofort feststellen, dass ihm etwas Herrschaftliches abhanden gekommen ist. Der Brunnen stand ursprünglich in der äusserst grosszügig gestalltenen Parkanlage des Restaurant-Hotel-Bad Bärschwi (gegründet 1775) und wird wohl von der Familie Gresly in Auftrag gegeben worden sein. Der Brunnstock befand sich inmitten des Brunnens was ihn evtl. zu einen Spring- oder Lustbrunnen machte. Möglich ist auch, dass der Brunnstock eine Statue darstellt. Der Stein selbst kommt aus dem in den 40’er Jahren stillgelegten Bärschwil Steinbruch hinter dem SBB-Eisenbahntunnel, birsaufwärts beim heutigen Fisch-weiher. Die Parkanlage vom Bad Bärschwil musste infolge des Baus der Eisenbahnstrecke Basel-Simplon im Jahre 1875 dem Bahntrassee und Bahnhof geopfert werden. Der Brunnen stand sodann bei den hinteren Stallungen des Restaurant Bad als Tränke-brunnen, wo noch bis 1950 ein Bauernbetrieb war.
Im Jahre 1923, beim Ausbaus der Bärschwiler Wasserver-sorgung, wo erstmals auch auf dem Oberwiler das Wasser zu sprudeln begann, wurde auch auf dem Oberwiler beim heutigen Brunnenstandort der erste Brunnen installiert. Im Winter 1952 ist jedoch dieser Brunnen infolge eines Frostschadens gerissen und unbrauchbar geworden. Die Gemeinde musste sich nach einem neuen Brunnen umsehen. Auf Anfrage bei der „Jurasiti“, damalige Eigentümerin des Bad, konnte die Gemeinde diesen Brunnen gratis über-nehmen und so steht er seit 1952/53 an diesem seinem Platz. Gespiesen wird dieser Brunnen seit jeher aus der Wasserversorgung. Der Brunnen wird einst wohl das Familienwappe der Familie Gresly getragen haben. Dieses wurde, aus was für Gründen auch immer, jedoch herausgemeiselt. Schade! Der Brunnstock ist aus der Neuzeit.
Brunnen bei der Kirchstrasse
Zu diesem Brunnen gibt es nicht viel zu erzählen. In den Brunnstock ist die Jahreszahl 1847 eingemeiselt. Der Brunnenbecken selbst muss aus den 60’er Jahren sein. Der Brunnstock ist im Verhältnis zum Brunntrog zu gross. Gespiesen wird der Brunnen wie der Dorfbrunnen bei der Post von der Braumenrainquelle. Wenn wir beim Vorbeifahren den Brunnen auch keine grosse Beachtung schenken, so hat doch jedes Bärschwiler Schulkind auf seinem Schulweg von diesem Brunnen früher oder später einen Wasserspritzer abbekommen.
Gressly Brunnen beim Schulhaus
Zwei Jahre nach der Einweihung des neuen neuen Schulhauses Bärschwil im Jahre 1962 wurde auf Initiative der Familie Gresly auf dem Schulhausvorplatz dieser neuzeitliche und in Errinnerung an unseren weltweitbekannten Geologen Amanz Gresly dieser Brunnen aufgestellt und im Jahre 1964 feierlich eingeweiht.
Brunnen Weberstrasse
Dem etwas in Vergessenheit geraten Gemeindebrunnen an der Weberstrasse bei der Liegenschaft von Herrn Kurt Fischer kam einst eine grosse Bedeutung zu. Die Liegenschaften des Oberwilers wurde bis zum Bau der Wasserversorgung im Jahre 1923 ausschliesslich über diesen von der in der nähe befindliche Weberquelle versorgten Brunnen mit Frischwasser versorgt. Das Wasser musste jeweils von diesem Brunnen an der Weberstrasse auf den Oberwiler geschleppt werden.
Brunnen auf der Station
Auch dieser Brunnen stand einst, wie der Brunnen auf dem Oberwiler in der Parkanlage des Kur- und Parkhotels Bad. Gespiesen wir er heute von der Wasserversorgung Bärschwil.
Die Brunnen als zentraler Wasserbezugs- und Begegnungsort
Den Brunnen kam bis zum Bau der Bärschwiler Wasserversorgung im Jahre 1923 eine immense und heute kaum mehr vorstellbare Bedeutung im Leben der Menschen zu. Um 1900 lebten in Bärschwil praktisch gleich viel Menschen wie heute. In jedem Haus wurden Kühe, Schafe, Schweine und Ziegen gehalten. Fliessend Wasser in den Häuseren gab es damals nur in den Städten. So musste das Vieh täglich zweimal zum Dorfbach, welcher damals noch offen durch das Dorf (Bachstrasse, Postgässli, Himmelplatz) floss und an verschieden Stellen mit Brettern gestaut wurde, oder dann eben an den Dorfbrunnen getränkt werden. In jeder Küche sodann stand eine sogenannte „Wasserstange“. Ein Holzgefäss, das etwas über 100 Liter Wasser fasste. Aus diesem schöpfte man das Wasser mit einem Kellen, dem sogenannten Gäzi. Die Kinder waren jeweils beauftragt dafür zu sorgen, dass sich immer genügend Frischwasser in diesem Bottich befand. Meist nach der Schule mussten die Buben und Mädchen mit Blech- oder Holzkesseln bei den Dorfbrunnen das Wasser holen gehen. Da galt es oft mehr als einmal zu laufen. Schwierig verhielt es sich am Waschtag. Die „Waschmaschine“, ein heizbaren Metallkessel und die Wäsche lud man kurzerhand auf einen Handwagen, fuhr zum Brunnen und richtete sich dort ein. Der Waschkessel wurde mit Wasser gefüllt und sodann wurde mit Holz eingefeuert und los konnte es gehen mit der Kochwäsche. Was die hygienische Situation in Sachen Körperpflege betrifft, möchte sich der Schreibene dazu lieber nicht äussern.
Gemeinde-Wasserversorgung 1923 bis heute
Im Jahre 1923 sodann bricht - was die Wasserversorgung anbelangt - auch in Bärschwil die Neuzeit ein. Nachdem sich die Gemeinde über Jahre mit dem Bau einer Dorfeigenen Wasserversorgung beschäftigte, kam es erst auf Initiative und des damaligen Fabrikdirektors von der Terrazzo, P.J. Affolter, und auf drängen der Schweizerischen Bundesbahn zum entscheidenden Durchbruch. Es wurde eine Spezialkommisison eingesetzt. „Die Studienkommission wurde dann als Baukommission gewählt. Präsident war beide mal Markus Ackermann aus Fehren, Gipssteinbruch in Bärschwil und in Bärschwil wohnhaft. Aktuar und zuständig für die Bauführung und gleichzeitig auch Geschäfts-führer mit Generalvollmacht, war P.J.Affolter, damit nicht stets bei Gemeinde oder der Gemeindeversammlung angeklopft werden musste“.
Die Firma Terrazzo und die SBB übernahmen die Kosten für den Bau der Wasserversorgungsanlgen Glashütte, der Neufassung der Luxenhofquellen, des Reservoirs Luxenhof sowie auch das Doppel-Reservoir Kriech-baumen oberhalb des Dorfes, da die Firma unbedingt einen genügenden Leitungsdruck für die Gips- und Kalkproduktion benötigte. Die Kosten beliefen sich auf Fr. 36'000.--. Die Luxenhofquellen. Nach der Fertigstellung wurden diese Anlagen der Gemeinde unendgeldlich zu Eigentum übertragen.
Die Neufassung der Modlenquellen - gespiesen wurde die Wasserversorgung Bärschwil damals ausschliesslich von den Modlenquellen - sowie der Bau des Leitungsnetzes Wiler und Dorf kamen der Gemeinde auf Fr. 180'000 zu stehen. Daran beteiligte sich die Brandversicherungsanstalt mit einem Beitrag von Fr. 60'000.--. Es musste sodann noch ein Darlehn von Fr. 120'000.— über die Bürgergemeinde, welche gegenüber der Bank mit ihrem Wald- und Landbesitz bürgen musste, bei der Schweizerischen Volksbank in Basel aufgenommen werden. Im Jahre 1945 betrugen die Schulden der Wasserversorgung noch Fr. 60'000.
Infolge der sehr trockenen Jahre 1943/45, welche dazu führten, dass über die Sommermonate nur noch stundenweise Wasser geliefert werden konnte, entschloss man sich um einen Weiterausbau der Wasserversorgung. Es wurde für Fr. 63'000 neu die Wasserbergquellen gefasst und das Reservoire Regennass erstellt. Wie sich nach der Fertigstellung zeigte, hatte sich die Situation durch diesen Weiterausbau nicht wesentlich verbessert. Noch während 40 Jahre hatte die Bärschwiler Gemeinde grösste Mühe ihre Einwohnerschaft mit genügendem und sauberem Wasser zu versorgen. In den 60’er Jahren wurde im Reservoir Luxenhof sodann eine Wasserpumpe installiert. Seit dieser Zeit ist die Luexenhofquelle Hauptlieferantin unserer Wasserversorgung. Erst seit der Totalerneuerung der Wasserversorgung Ende der 80’er Jahre, welche den Neubau der Pumpstation Luxenhof und Station, des Reservoirs Regennass und diverser Sanierungen und Erweiterung des Leitungsnetzes umfasste, haben sich die Probleme endgültig lösen lassen.
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ogi/Dank den Messungen unseres Wetterfrosches Achilles Jeker mit seiner Wetterstation auf dem Wiler, wissen wir es nun ganz genau. Er bestätigt uns, was wir geahnt haben. 2002 war ein wirklich trübes und verregnetes Jahr. An 157 Tagen – also beinnahe jeden zweiten Tag hat’s im letzten Jahr geregnet – so viel wie noch nie, seitdem Achilles Jeker die Niederschläge misst. Niederschlagsmenge im Jahre 2002: 1'467 Liter pro Quadratmeter
Wenn wir jetzt zu rechnen beginnen, kommt man zu erstaunlichen Erkenntnissen. Petrus lieferte uns im vergangen Jahr Wassermengen die zu erstaunen vermögen:
Das Gemeindegebiet hat eine Fläche von 1'118 Hektaren. Auf diese Fläche dürfte somit im letzten Jahr eine Wassermenge von über 16 Millionen Kubikmeter niedergeprasselt sein. Diese Menge entspricht:
- Einem Würfel mit einer Länge, Höhe und Breite von 260 Metern
- Das sind 820'000 Tanklastzüge mit 20'000 Litern.
Es müssten somit täglich 2'300 Lastwagen ins Dorf fahren
um die gleiche Wassermenge zu liefen.
- Das gäbe ein See! Beim Dorfausgang (Steinweg /Grotte)
müsste eine 60 Meter hohe Staumauer gebaut werden um
diese Wassermenge aufzufangen. Der Seespiegel würde sich
auf Höhe des Käppeli beim Gupf/Grindelstrasse liegen.
Ein sicherlich tolles Naherholungsgebiet für die Einwohner-
schaft des Wilers wäre geschaffen! Fraglich natürlich, was die
die 470 „Dörfler“ dazu meinen würden.
- Auf ein Grundstück mit einer Fläche von 10 Aren (etwa durchschnittliche Fläche einer Liegenschaft) regneten im letzten Jahr rund 1'400 Kubikmeter Wasser nieder. Das sind 70 Tanklastwagen voll
Wegkreuz an der Grindelstrasse
Das Steinkreuz an der Abzweigung Grindelstrasse/ Obere Gasse steht erst seit den frühen 80’er Jahren in Bärschwil. Früher befand sich an dieser Stelle ein Holzkreuz. Da dieses in einem sehr schlechten Zustand war wurde es ersetzt. Erhalten haben wir das aus dem Jahre 1722 stammende Kreuz vom kantonalen Kreisbauamt. Das Wegkreuz stand einstmal in Rickenbach und hat seine Gesichte:
D’r Anton Grimm vo Hägedorf het brichtet: S’Chrüz a d’r Autostroos z Rickebach, linggerhang weme gege s’alte Schuelhuus ufe goht, staamt us siner Famili. Er het verzellt, wiso as das Chrüz g’macht worde sig:
Amene schöne Summersundig isch es Brutpärli zobe no chli Arm in Arm go spaziere. Si hei d Wuche druuf ihres Hochzit welle ha, drum hed no das und dis müsse besproche sy. I allem Brichte inn hei die zwoi nit g’merkt, wie dunkel und schwarz der Himmel überem Hägedörfer Bärg worde isch. Erscht wos het afo Blitze und Donnere , hei si nanger d Hang gä und sy im Trab zäme Stross abegsprunge. Do fahrt e Blitz wie ne füüregi Schlange übers Fäld ine. Es blitz und chrached i eim Schlag und schloot das Brutpärli z Bode.
Wome es gfunge und ufgno hed, si beidi tot gsi. Si hei nanger no fest d’Häng ghabe, der Heinrich Grimm und s Bethli Fälber. Statt ene lustige Hochzit heds drei Tag druuf e truregi Beärdigung gäh.
Derno hed d’r Vatter Grimm a der Stell, wo der Blitzschlag die zwoi junge Lütli troffe hed, es Chrüz us Jurastei lo häretue. Druff stöi die beede Näme näbst der Johrzahl 1722.



